01.09.2018

Wir wollten Sie gerne an unserer Griechenlandreise im Mai 2018 teil haben lassen, leider hat es etwas gedauert, aber besser spät als nie;-)))

Griechenland,

immer eine Reise wert...

Im April/Mai diesen Jahres machten wir uns als Team wieder einmal auf den Weg nach Griechenland. Mit von der Partie war unser Freund Günni, der als Handwerker schon darauf brannte ein wenig bei den Bauten im Tierheim anzufassen...

Zuerst ging es nach Karditsa.


Hier wollten wir alle Hunde neu fotografieren, sie kennenlernen, um sie besser beschreiben zu können.
Hierzu sind immer einige Stellen anzufahren, denn die Hunde sind weit verstreut auf einigen Plätzen.
Dort werden sie von Evi und Eleni täglich versorgt...
In Karditsa gibt es Hunde an zwei alten Tankstellen, an einer Müllkippe, an verschiedenen Plätzen auf der Straße, im neuen Tierheim und im alten Tierheim. Zusätzlich gibt es noch einige Pflegestellen, die einzelne oder mehrere Hunde aufgenommen haben, bis zur Vermittlung.
Wir hatten 3 Tage vor Ort, und die müssen gut eingeteilt und geplant werden, damit man wenigstens annähernd alles schafft!

Zuerst war natürlich das neue Tierheim dran, schon alleine deswegen, weil wir Günni dort „aussetzten“, der nun mit Elias einige Arbeiten angehen konnte...
Wir Frauen machten uns ans Fotografieren, beschmusen, kennenlernen und und und...
Leider sind die Temperaturen (auch schon in dieser Jahreszeit) nicht wirklich hilfreich, locker 30 Grad gab es schon, und selbst die meisten Autos dort haben keine Klimaanlage...





Nach einer ersten Bestandsaufnahme im neuen Tierheim ging es weiter an alle übrigen Stellen, auch dort haben wir alle Hunde aufgenommen, Verhaltensweisen beobachtet usw. Im alten Tierheim eine Bestandsaufnahme gemacht der restlichen Hunde (die Anzahl der noch vermittelbaren Hunde ist leider sehr gering...)


Nach einigen Stunden Arbeit braucht man immer dringend eine Pause, die Hitze schafft einen, und ebenso die mentale Situation...
Zu oft ist keine Hilfe möglich, zu oft muss man einfach nur tief Luft holen und ein- und ausatmen, bevor man mit klarem Kopf weitermachen kann.Einfach nur ein- und aus, damit man den Tag irgendwie schafft...
Immer wieder fragt man sich dann, wie das die Tierschützer vor Ort jeden Tag schaffen? Wie macht man das, ohne völlig durchzudrehen irgendwann?
Wir können nur den Hut davor ziehen!

Zusätzlich zum „normalen“ Tierschutzalltag kommen ja noch die Anrufe von Hilfesuchenden dazu...die Hunde in Not melden.
Während unseres Aufenthaltes wurden wir zu 3 Einsätzen gerufen...
Beim ersten Notfall handelte es sich um einen Herdenschutzhund, der vor dem Haus einer Familie lebt, und dort eine Hütte hat, und von ihr versorgt wird. „Ihr“ Hund also sozusagen.
Der Rüde hatte, warum auch immer, seinen Kopf in der Nacht durch das Gitter des Rolltores gesteckt, und kam nun seit mind. 4 Stunden dort nicht mehr heraus!


Natürlich war er schon sehr panisch, und der Kopf war angeschwollen weil sich das Blut staute...
Also haben wir mit vereinten Kräften versucht ihn zu befreien...
Wir haben Öl benutzt, um ihn vielleicht herausziehen zu können, Tücher um den Kopf herum gewickelt, damit keine Verletzungen entstehen...nach ca 30 Min vergeblichem Gewackel und Gezerre haben wir ihn sedieren lassen, damit er sich nicht weiter verkrampft, und wir vielleicht so die Möglichkeit der Befreiung hätten...




Und nach vielem Hin-und Her konnten wir ihn gemeinsam herausdrehen!


Was für eine Freude;-))) Der junge Mann wollte nur noch Abstand, und wackelte im Halbschlaf ein paar Meter von uns weg. Juhhuuu...;-)))


VIDEO (es kann sein, dass es nur für Facebook Nutzer zusehen ist...)

Kurze Zeit später fuhr Evi mit uns an einen Ort, wo sie seit Wochen versuchte einen sehr jungen Hund einzufangen...die Kleine war sehr schüchtern, benötigte aber dringend Hilfe, denn dort im Nirgendwo kann so ein kleiner Hund kaum überleben.

Die ansässigen Herdenschutzhunde sind nicht immer nur nett, es regnete etwas an diesem Tag, und die Kleine war völlig durchnässt.

Hier musste die Sache anders angegangen werden, und ich konnte mich ihr nähern. Alle Anderen warteten im Auto, denn für einen zurückhaltenden Hund ist nichts schlimmer als viele Menschen, sie wissen ja nicht, dass man ihnen Gutes will!!!

Nachdem ich eine Weile ihr Vertrauen gewinnen konnte indem ich mit ihr spielte, und alberte, kam sie immer wieder ein wenig näher, um dann doch wieder schnell wegzuspringen.


Geduld ist dann gefragt, auf den richtigen Augenblick warten, und dann zu greifen- und nicht mehr los lassen!
Als die Gelegenheit kam schnappte ich sie, und die Kleine schrie vor Schreck kurz auf...dann beruhigte sie sich fix, und ich denke sie war ganz happy, dass sie endlich nicht mehr in Angst leben musste. Evi nahm sie mit nach Hause, und versorgte sie...




Die kleine Kiwi hat sehr schnell ein schönes Zuhause gefunden, ein ganz tolles, zuckersüßes Mädchen;-)

VIDEO 1  VIDEO 2

Am nächsten Tag begegnete uns auf einer Landstraße ein völlig abgemagerter Setter, Evi hält dann immer an um solche armen Kreaturen zu füttern...
Leider rannte der Setter in Panik davon, weiter über die stark befahrene Straße!!!
Dann sahen wir, wie sie auf einen Feldweg lief, und Evi fuhr mit uns hinterher, denn der Hund brauchte dringend Hilfe, das war uns allen klar.
Wir stiegen aus, und ich ging ein Stückchen auf die Hündin zu...wundersamerweise blieb sie plötzlich stehen, drehte um und kam langsam auf mich zu.
Sehr vorsichtig, aber sie kam...als hätte sie plötzlich gewusst, dass wir sie nicht ihrem Schicksal überlassen!


Ich konnte sie irgendwann streicheln, und hielt sie fest, damit wir ihr eine Leine anlegen konnten. Und da sah man dann das ganze Unheil: völlig vereiterte Augen, vielleicht noch 7-8 kg (wobei 22 ca normal wären), Parasiten überall, Fliegen, offene Wunden um die Augen herum und ein Geruch, den man nicht weiter erklären möchte...
Unsere Herzen pochten, denn zumindest mir war klar- hier wird wahrscheinlich nur noch eine Erlösung infrage kommen:-(
Aber gut, auch das gehört dazu, also nahm ich das kleine Skelett auf den Arm, und wir fuhren mit der lieben Hündin zum Tierarzt.




In der ganzen Zeit traute sich kaum jemand zu sprechen, mir standen die Tränen bis zur Oberkante, aber da muss man dann einfach durch, für das Tier.

Das Auslesen des Chips brachte -oh Wunder- ein Ergebnis! Das Tier gehörte einem Herrn, den Evi auch sogleich anrief. Nur wollte der leider nichts mehr von seiner 7 jährigen Frieda wissen. Er hätte sie schon vor langem verschenkt, und sowas von kein Interesse mehr an ihr, wir könnten machen mit ihr was wir wollten...
Wir entschieden uns einen Schnelltest auf die Mittelmeerkrankheiten zu machen, und sollte das Ergebnis positiv sein...puh! Na erst einmal abwarten...
Günni hielt das Warten nicht aus, und reparierte kurzerhand in der Zwischenzeit den Spülkasten der Toilette beim Tierarzt!
Ich hielt Frieda weiterhin in meinem Arm und hoffte, die anderen beiden Mädels hofften ebenfalls, und wir redeten uns selbst gut zu...
Dann kam das Ergebnis, und leider war sie Leishmaniose positiv...dafür aber Filarien negativ, und

so wollten wir ihr eine Chance geben!
Der Tierarzthelfer war eine Wucht und bot uns an Frieda mit zu sich nach Hause zu nehmen, und sie aufzupäppeln. Danach wollten wir einen neuen Test machen, und alles weitere abklären...
Frieda hat ihre Chance genutzt, ihr geht es weitaus besser, und bald kann sie, trotz Leishmaniose, in die Vermittlung! So ein Kämpferherz hat auch eine zweite, und eine dritte Chance verdient;-)))

Zwischendurch wurden wir eines Morgens noch gebeten an einer Aufräumaktion in Karditsa, in einem öffentlichen Park, mit dem Bürgermeister teil zu nehmen. Das taten wir natürlich!!! Mit Müllsäcken machten wir uns auf zum Müll sammeln;-)



Am letzten Tag unseres Aufenthaltes haben unsere Freunde für uns eine ganz wunderbare Grillparty gegeben! Da unser Verein dieses Jahr seit 10 Jahren besteht hatten sie uns eine Torte besorgt;-)
Danach bekam jeder einen wunderschönen Herz Ballon aus Papier, den wir mithilfe von einer kleinen Flamme später alle in den Himmel geschickt haben!
Ein wunderschönes Bild, begleitet von Wünschen für die Tiere...
Eine so, so schöne Idee, wir waren alle sehr gerührt, und sind sehr dankbar für diese Freundschaften!




Dann war unsere Zeit in Karditsa auch schon um, und es ging weiter nach Kavala...

Dort gibt es ebenfalls viele verschiedene Stellen, an denen die Tierschützer Hunde versorgen.
Der dortige Verein „Aisopos“ hat einen kleinen Platz gekauft, der nun immer etwas weiter ausgebaut wird, und auf dem einige Hunde ein Zuhause auf Zeit bekommen.



Auch dort haben wir alle Hunde angeschaut, fotografiert und kennengelernt.

Danach sind wir weiter mit diesen Tierschützern herum gefahren, um weitere Hunde aufzusuchen, welche alle ziemlich verstreut sind...
Sehr gruselig war eine „Unterkunft“ in einem alten Krankenhaus. Das Gebäude wurde irgendwann aufgegeben, und steht heute noch so da, mit Schreibtischen in den Zimmern, Papiere überall verstreut, ein Horrorfilm in live!
Und dort lebten Hunde...Vier in einem Innenraum, draußen drei Welpen und mehrere erwachsene Hunde, die auch dort verbleiben. Die Welpen haben wir gesichert, damit sie eine Chance bekommen...




An einem anderen Tag besuchten wir Maria, und die Hunde auf ihrem Grundstück.
Hier treibt es uns immer Schauer über den Rücken, weil die meisten Hunde dort an der Kette leben müssen...sie hat eine Obstplantage, und das Tor ist immer geöffnet, weil sie das Obst an einem Stand vorne an der Hauptstraße verkauft...
Dennoch geht es den Hunden dort gut, sie sind immer gut sozialisiert, und Katzen schwirren umher, so sind die Hunde auch daran gewöhnt...
Auch hier haben wir eine Bestandsaufnahme gemacht, Aufträge erteilt für Bluttests, neue Hunde in die Vermittlung aufgenommen usw.


Der Samstag war der Entspannung gewidmet, Kostas und sein Freund Parashos, der Bergretter und Feuerwehrmann ist, haben mit uns eine Klettertour gemacht.
Günni durfte mit Hund einen Abhang hinunter, wir ohne Hund (die Männer haben bemerkt dass es doch etwas schwer war, und Charlie hatte nach einem Mal auch keine Lust mehr Demonstrationsobjekt zu spielen...)
Ein wunderschöner Tag in der Natur!





Auf dem Weg fanden wir auf der Hauptstraße eine riesige Schildkröte, die sich wahrscheinlich zur Eiablage ein schönes Plätzchen suchen wollte...
Wir haben sie eingesammelt, und an einem sicheren Ort in die Natur entlassen, hoffen wir sie hat gefunden, was sie gesucht hat;-)

Auch hier gaben die Tierschützer für uns am letzten Abend ein Essen mit Torte, und lieben, kleinen Geschenken;-)
Der Abschied fällt immer schwer...auf beiden Seiten...
Wir, weil wir alles zurück lassen müssen, und den Griechen, weil sie in uns viele Hoffnungen setzen.


Diese Besuche sind so wichtig für beide Parteien sehr wichtig, direkte Kommunikation ist etwas anderes, als bloße E-Mails, oder Telefonate.
Wir können so Missstände beseitigen, die Hunde besser einschätzen, auch mal etwas unterstützen. Aber vor allem mental helfen, durch Anwesenheit, dadurch, dass wir selbst erleben, was dort jeden Tag passiert!
Nach einer Woche dort brauchen wir meist selbst eine Woche zuhause, um alles zu sortieren...
Es ist immer schön, aber auch schrecklich. Anstrengend und lustig, grausam und wunderbar- ein Gefühlschaos vom Feinsten.

Aber wir können es kaum erwarten wieder zu fliegen, es gibt nichts schöneres, als die Hunde selbst in unseren Armen zu haben;-) Und schon bald ist es wieder soweit!